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Dienstag, den 25. November 2014

Variable Darlehen für kurze Zinsbindungen


Wer eine Baufinanzierung mit einem Kredit bestreiten möchte, ohne sich dabei an einen festen Zinssatz zu binden, kann auf variable Darlehen zurückgreifen. Hierbei wird der Zinssatz innerhalb einer bestimmten Zeitspanne, oftmals alle drei Monate, an das aktuelle Zinsniveau angepasst. Basis für die Zinsanpassung ist in der Regel der Euribor, ein Referenzzinssatz, der die Höhe angibt, zu der sich die Banken momentan gegenseitig Geld verleihen. Der jeweilige Zinssatz der Bank entspricht aber nicht genau der Höhe des Referenzzinssatzes, da auf diesen noch ein Aufschlag, beispielsweise von einem Prozent, erhoben wird. Wo aber liegen die Vor- und Nachteile für variable Darlehen?
 
Kurze Zinsbindung bringt Kostenersparnis
 
Entscheidet man sich für einen Kredit, wird oftmals eine längere Zinsbindung, beispielsweise fünf oder zehn Jahre, vereinbart. Je länger man sich die Zinsen festschreiben lässt, desto höher fällt hierbei auch der zu entrichtende Zinssatz aus. Um dies zu umgehen, kann man sich für ein variables Darlehen entscheiden. Denn die kurzfristige Zinsbindung bringt den Vorteil von vergleichsweise niedrigen Zinshöhen mit sich. Zudem ist ein variables Darlehen immer dann ratsam, wenn man von sinkenden oder zumindest gleich bleibenden Zinsen auf einem niedrigen Niveau ausgeht.
 
Achten sollte man aber darauf, dass das jeweilige variable Darlehen an einen transparenten Zinssatz, wie z.B. den bereits genannten Euribor, gekoppelt ist. Dieser Zinssatz wird jeden Tag veröffentlicht und kann durch den Kreditnehmer leicht verfolgt werden. Angebote von Banken, die eine Zinsanpassung in eigenem Ermessen vornehmen, sind nicht zu empfehlen. Zudem spielt natürlich die Höhe des Zinsaufschlages auf den Referenzsatz eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für ein bestimmtes variables Darlehensangebot.
 
Sondertilgungen ohne Entschädigung sind jederzeit möglich
 
Ein variables Darlehen empfiehlt sich aber auch aus einem weiteren Grund. So kann man bei dieser Kreditform stets eine Sondertilgung vornehmen. Praktisch dabei ist, dass die Höhe der Sondertilgung nicht, wie sonst oft, begrenzt ist. Dies bedeutet, dass Sondertilgungen von bis zu 100 Prozent zu jedem Zeitpunkt des Darlehens vorgenommen werden können. Etwaige Vorfälligkeitsentschädigungen sind nicht zu entrichten.
 
Auf Option für Umwandlung achten
 
Vor der Entscheidung für ein variables Darlehen sollte man in diesem Zusammenhang sein Augenmerk aber immer auch auf einen wichtigen Punkt legen. So sollte das variable Darlehen die Option besitzen, dass man als Kreditnehmer das Darlehen jederzeit in einen fest verzinsten Kredit umwandeln kann. Dies bietet sich beispielsweise immer dann an, wenn man zwischenzeitlich von einem zukünftig steigenden Zinsniveau ausgeht.
 
Durch die Umwandlung koppelt man sich von der Entwicklung der Zinsen ab und sichert sich die aktuell noch attraktiven Zinsen für die Zukunft. Da nicht alle variable Darlehen diese Option besitzen, sollte man sich vor allem nach Angeboten umschauen, die diese Wandlungsmöglichkeit anbieten.
 
Nachteil des variablen Darlehens
 
Wie so oft kann ein bestimmter Vorteil auch gleichzeitig zu einem Nachteil werden. Denn die kurzfristige Zinsbindung ist immer auch mit dem Risiko verbunden, dass sich die Zinsen nach oben entwickeln und sich das Darlehen durch die regelmäßigen Zinsanpassungen immer weiter verteuert. Doch wie im vorherigen Abschnitt beschrieben, kann man sich in diesem Fall idealerweise durch eine Umwandlung des bestehenden variablen Darlehens in ein Festzinsdarlehen davor schützen. Wann für diesen Schritt der richtige Moment gekommen ist, kann aber pauschal nicht vorausgesagt werden.
 
Daher sollte man als Kreditnehmer die aktuelle Zinsentwicklung genau verfolgen und auf eventuelle wirtschaftliche Entwicklungen achten, die für einen langfristigeren Trend auf dem Zinsmarkt sorgen. Sollte sich beispielsweise die Konjunktur im Euroraum verbessern, ist eher mit höheren Zinsen zu rechnen, da Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vorgenommen werden, um dadurch die Wirtschaft zu unterstützen. Zinserhöhungen sind wiederum ein Mittel der Europäischen Zentralbank, um eine sich abzeichnende Inflation im Euroraum zu bekämpfen.
 
Weitere Tipps für flexible Darlehen
 
Neben den bisher genannten Punkten, sollte ein gutes variables Darlehen auch folgende Eigenschaften besitzen:
 
• möglichst lange bereitstellungszinsfreie Zeitspanne
 
• niedrige Bereitstellungszinsen
 
• niedrige Bearbeitungsgebühr
 
• möglichst geringe bzw. keine Kontoführungsgebühr (Ausschau halten nach Anbietern, die keine Kontoführungsgebühr verlangen)
 
Fazit
 
Die Zinsen für variable Darlehen liegen im Durchschnitt deutlich unter der Höhe, die man für eine langfristige Zinsbindung zu bezahlen hat. Wer also weniger Wert auf eine sichere Kalkulation der Zinskosten in der näheren Zukunft legt, kann mit dieser Darlehensform durchaus Kosten einsparen. Zudem bieten sich variable Darlehen vor allem für Personen an, die davon ausgehen, einen Teil oder sogar das ganze Darlehen durch Sondertilgungen vorzeitig begleichen zu können.
 
Der Nachteil von variablen Darlehen ist das Risiko eines steigenden Zinsumfeldes. Deshalb muss man als Kreditnehmer die Zinsentwicklung stets sehr exakt verfolgen, um sich beispielsweise durch eine Umwandlung des Darlehens in ein fest verzinstes Darlehen vor steigenden Zinskosten zu schützen.
Bild © Eisenhans - Fotolia.com

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